Oktober 21, 2020

Anleihen 1×1

Anleihen werden öfters erwähnt wenn es um das Thema Risikostreuung geht, und können eine gute Ergänzung zu Aktien sein. Auf Grund der Niedrigzinspolitik sind Anleihen momentan nicht gerade billig,  jedoch für Cashflow orientierte Investoren weiterhin eine sinnvolle Ergänzung. Wie versprochen möchte hier ein bisschen mehr auf das Thema Anleihen eingehen und euch ein kurzen Überblick zum Thema Anleihen geben.

Was sind Anleihen?

Anleihen sind an der Börse handelbare festverzinsliche Wertpapiere und die wesentlichen Merkmale sind die festen Zinsen und die feste Laufzeit. Nach Ende der Laufzeit wird der Ausgabepreis, in der Regel 100%, zurück bezahlt. Dazwischen werden entweder jährlich oder halbjährlich Zinsen, der sog. Kupon gezahlt.

Welche Arten von Anleihen gibt es?

Staatsanleihen

Anleihen, die durch Staaten emittiert werden, beispielsweise von den USA, Italien, Japan oder auch von Schwellenländern. Die Zinsen und Risiken können sich je nach emittierendem Land sehr stark unterscheiden.

Unternehmensanleihen

Unternehmensanleihen sind eine Form, mit der sich Unternehmen finanzieren können. In erster Linie kaufen institutionelle Investoren Anleihen und leihen den Unternehmen Geld, um Zinsen zu erhalten und eventuelle Kursrenditen zu erzielen. Auch private Investoren können solche Anleihen kaufen

Wandelanleihen

Anleihen, bei der Investoren die Chance haben, die Anleihen-Anteile bis zu einer bestimmten Frist in Aktien des Unternehmens umzutauschen. Dadurch sind höhere Gewinne denkbar. Ein Rücktausch ist nicht machbar.

Hybridanleihen

Eine Hybridanleihe ist eine eigenkapitalähnliche, nachrangige Unternehmensanleihe mit sehr langer Laufzeit oder ohne Laufzeitbegrenzung. Die Kündigung durch den Emittenten ab einem vorher festgelegten Termin ist möglich. Außerdem können die vereinbarten Kuponzahlungen unter bestimmten Bedingungen ausgesetzt bzw. verschoben werden

Nachranganleihen

Anleihen, die besonders hohe Zinsen aufweisen, weil Investoren im Falle einer Insolvenz des Unternehmens erst sehr spät aus der Insolvenzmasse bedient werden. Nachranganleihen sind die Unternehmensanleihen mit dem meisten Risiko.

Anleihen ETFs

Anleihen-ETFs sind das Pendant zu Rentenfonds. Statt aktiv von einem Fondsmanagement gemanagt zu werden, was Kosten verursacht, bilden sie automatisiert einen Anleihen-Index nach. Dadurch sind sie sehr kosteneffizient.

Pfandbriefe

Pfandbriefe sind vor allem bei Banken zu finden. Es handelt sich um normale Anleihen, die aber stets durch Sachwerte besichert sind. In den letzten mehr als 250 Jahren seit dem ersten Pfandbrief kam es zu keinerlei Ausfall.

Für meine Investitionen kommen aktuell nur Unternehmensanleihen in Frage, später sollen aber auch Anleihen ETFs hinzukommen.

Die wichtigsten Merkmale einer Anleihe

  • Das Rating der Anleihe (später dazu mehr)
  • Stückelung auch Nominale oder Nennwert genannt, meist in 1 000 vereinzelt kann dies auch 10 000 oder 100 000 sein.
  • Mindesteinlage, meistens ist dies entweder 1 000 oder 2 000 EUR/USD, man findet auch höhere Barrieren. Diese Anleihen sind leider Privatinvestor eher nicht zugänglich
  • Emission Volumen, wie viel wurden tatsächlich ausgegeben
  • Höhe des Kupons bzw. der Zinszahlungen
  • Anzahl der Kuponzahlungen, dies ist meist jährlich oder halbjährlich
  • kündbar oder nicht kündbar, seitens des Emittenten gibt es hier klare Regeln. Hinweis bitte darauf achten, dass es sich um eine Make Whole Call Options Anleihe handelt. Dies bedeutet die Anleihe ist zwar seitens des Emittenten kündbar, jedoch muss dieser die bis zur Restlaufzeit ausstehenden Zinszahlungen auszahlen.

Was muss man beim Kauf einer Anleihe zusätzlich beachten?

Der Kurs einer Anleihe wird immer in Prozent angegeben. Ist dieser zum Beispiel bei 120%, würde man 1 200 EUR für eine Nominale von 1 000 EUR bezahlen. Bei einem Kupon von 4%, bekommt man daher eine jährliche Zinszahlung von 40 EUR. Beim Kauf einer Anleihe werden des weiteren die Zinsen zwischen den Auszahlungsterminen, zwischen Emittent und Investor aufgeteilt. Gekauft werden Anleihen meist direkt über die Börse. Nicht ganz unwichtig ist die Liquidität einer Anleihe, also wie häufig wird sie gehandelt. Hier muss aber generell sagen, dass diese nicht sehr hoch ist, da Anleihen meist nur bei Erstemission viel gehandelt werden. Zu guter Letzt sollte man auch einen Blick darauf werfen, wie hoch die zu erwartende Rendite bis zum Laufzeitende ist. Für mich sollte diese mindestens 2.5% sein.

Wie werden Anleihen eingestuft?

Anleihen werden nach dem typischen Ratingschema eingestuft, dies fängt bei AAA an und hört bei CCC- auf.

Grundsätzlich sollte man schauen, dass man Anleihen nur mit einem Investment Rating kauft, alles andere ist höchst spekulativ und kann zum Totalverlust führen. In meiner Investmentstrategie habe ich mich aktuell auf ein Mindestrating von A- konzentriert.

Was passiert mit Unternehmensanleihen bei Firmenübernahmen?

Grundsätzlich laufen diese normal weiter, denn das neue Unternehmen übernimmt logischerweise auch die Kredite. Jedoch sollte man ein genauen Blick auf die Kündigungsregelungen werfen. Es könnte durchaus sein, dass hier ein Kündigungsrecht zum Vorteil des neuen Emittenten besteht. Was allerdings passieren kann, ist eine Bonitätsverschlechterung der Anleihe, da Übernahmen meist durch neue Schulden finanziert werden. Dies kann natürlich auch in Kursverlusten resultieren.

Warum beeinflussen Zinsen die Wertentwicklung von Anleihen?

Die Faustregel besagt steigende Zinsen, negative Wertentwicklung und fallende Zinsen positive Wertentwicklung. Grund dafür ist das Verhältnis Kupon zu den aktuellen Zinsen. Wenn die Zinssätze steigen, werden ältere Anleihen weniger wertvoll, weil ihre Kuponzahlungen jetzt niedriger sind als die der neuen Anleihen. Dies hat zur Folge, dass der Preis dieser älteren Anleihen sinkt. Fallende Zinsen haben natürlich den gegenteiligen Effekt

Wie werden Anleihen besteuert?

Anleihen werden genauso besteuert wie Aktien. Bei den Kuponzahlungen fällt, wie bei Dividenden, die landesübliche Kapitalertragsteuer an. Hier ist von Vorteil wenn man einen sog. steuereinfachen Broker hat und man sich um die Steuerthemen nicht kümmern muss.

Fazit

Anleihen sind eine sinnvolle Komponente, um ein bestehendes Portfolio aus Aktien mit Anleihen von Staaten und Unternehmen mit einer guter Bonität zu stabilisieren. Des weiteren stellt es für mich ein sehr gutes Mittel dar mein passives Einkommen zu erhöhen. Also für den Cashflow orientierten Investor sind Anleihen weiterhin eine gute Alternative. Es gibt jedoch auch hier zu beachten, dass man nicht zu viel Risiko eingeht und man ausschließlich in Unternehmen mit guter Bonität investiert. Auf Grund der teilweise hohen Mindesteinlage sind Anleihen natürlich auch jedermanns Sache. Trotz allem gilt auch beim Investieren in Anleihen, dass man sich nicht nur auf 1 Unternehmen konzentriert sondern genug diversifiziert. Laut einer Studie sollten Anleihen ca. 10% deines Portfolios ausmachen.