Juli 4, 2020

Bilanzanalyse | Goodwill

Bilanzen richtig zu deuten und zu lesen ist oft nicht ganz einfach. Bestes Beispiel ist mal wieder unser derzeitiges Lieblingsthema Wirecard. Obwohl ich nun seit einigen Jahren als Financial Controller arbeite, so richtig verstanden habe ich das nie was die machen oder wie die schlussendlich bilanzierten. Dies war wohl auch so gewollt, niemand sollte so richtig durchblicken.Aber naja lassen wir das Thema. Ich möchte mit diesem Artikel eine kleine Serie starten mit Bilanzpositionen, auf die man als Investor durchaus eine Auge werfen sollte. Heute werde ich näher auf den Goodwill eingehen und wie sich dieser vor allem momentan bei vielen Unternehmen darstellt.

Goodwill

Ein Goodwill oder Firmenwert kommt beim Kauf eines Unternehmens zu Stande. Konkret bedeutet dies der Goodwill ist der Unterschiedsbetrag zwischen Kaufpreis und dem tatsächlichen Bilanzwert des akquirierten Unternehmen. Vor allem in den letzten Jahren, als es sehr viel Übernahmen gab, ist diese Bilanzposition immer mehr und mehr in den Fokus gerückt. Bei einigen Unternehmen ist dies sogar fast die größte Bilanzposition.

Hier sollten man dann zumindest ein etwas genaueres Auge darauf haben, wie das Unternehmen wirtschaftet. Denn eine hohe Goodwill Position steht meistens ein hoher Schuldenberg entgegen, und wenn dann auch noch der Goodwill Anteil im Vergleich zum Eigenkapital sehr hoch, ist sollten die Alarmglocken schrillen. Für mich ist eine hohe Goodwill Position vor allem mit einem zeitgleich sinkendem Cashflow eine tickende Zeitbombe. Gerade jetzt in einer kommende Rezession wird es wohl einige Impairments geben und die Bilanzen werden wieder etwas normaler ausschauen.


QUIN HILFT DIR DAS BESTE INVESTMENT BEI DEINER BANK ZU TÄTIGEN.

QUIN ist Dein vollständig digitaler und automatisierter Anlageberater. Wir helfen Dir bei der Erstellung eines kostengünstigen ETF-Portfolios und überwachen es bei der Bank Deiner Wahl.

Kostenlos Starten*


Wie sehen die Goodwill Positionen in meinem Depot aus?

Ich habe mir dazu mal bei 6 Unternehmen die Goodwill Positionen angeschaut und diese mit dem Eigenkapital verglichen. Ja und ehrlich gesagt könnte einem richtig schlecht werden, bei fast alle Positionen ist dies über 90%.

Die ist ein sehr bedenklicher Trend, und vor allem ist zu befürchten, dass durch die wohl schwächeren ein bis zwei Jahren einiges an Abschreibungen zu befürchten sind. Dies hätte dann auch wieder direkt Auswirkungen auf die Debt to Equity Ratio, die damit bei einigen Unternehmen deutlich schlechter ausfallen könnte.

Die nächste Grafik bestätigt diesen Trend zu einem immer größeren wachsenden Goodwill Anteil ebenfalls.

Quelle: finanzsenf.de/goodwill-in-der-bilanz/

Hier sieht man deutlich, dass der Goodwill sich in den 10 Jahren fast verdoppelt hat. Ich sehe, dass auch als ein Nebeneffekt der lockeren Geldpolitik der Nationalbanken.

Fazit

Es ist zu befürchten, dass es nach der Corona Krise einiges an Abwertungen auf uns zugekommen wird und die Bilanzen vieler Unternehmen deutlich schlechter ausfallen werden. Momentan sind diese mehr oder weniger durch den Goodwill richtig aufgebläht. Natürlich ist Goodwill nicht immer was schlechtes, wenn der generierten Cashflow der Übernahmen den Goodwill rechtfertigt hat er natürlich auch seine Daseinsberechtigung.

Nichts desto trotz sehe ich den Goodwill als sehr kritisch und als Resultat der vielen MnA Orgien in den letzten Jahren. Als Investor muss man sich dann auch hinterfragen wie aussagekräftig die Debt to Equity Ratio in diesem Zusammenhang noch ist.

Was denkt ihr darüber? Seht ihr das auch eher kritisch?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.