Oktober 23, 2020

Finanzunbildung in Deutschland

Ich habe mir lange ein passenden Titel für  den Artikel überlegen müssen, aber ich glaube mit Finanzunbildung (Finanzdummheit erschien mir etwas zu krass) in Deutschland habe ich es ganz gut getroffen. Die aktuelle Reichtumsstudie ist ja nun doch vielen schon bekannt und sie zeigt leider wieder ein sehr trauriges Bild.

Studie

Der Anteil derer die keinen Plan haben Vermögen aufzubauen ist von 8.5% im Jahr 2017 auf 22.7% im Jahr 2020 gestiegen. In anderen Worten mehr als jeder fünfte kann nicht wirklich sagen wie man Vermögen aufbaut. Würde man allerdings fragen, wofür sie am liebsten Geld ausgeben würden, wäre dieser Anteil wahrscheinlich verschwindet gering.

Quelle: https://www.reichtumsstudie.de/

Was allerdings genauso erschreckend ist sind die Rückgänge in den Bereichen; hochqualifizierte Berufen und durch Gründung eines Unternehmens. Einzig das Thema Investieren scheint etwas besser geworden zu sein.

Das Problem mit dem Investieren

Allerdings erkennt man in diversen Foren leider auch eine Tendenz, dass viele schnell mit Tech Aktien reichen werden wollen. Momentan werden am laufenden Band irgendwelche  neue Techaktien vorgestellt, dies ähnelt fast dem Krypto Boom Ende 2017 als jeden Tag ein duzend neuer Kryptowährungen/Tokens usw. auftauchten. Keine Frage es gibt wirklich vielversprechende Unternehmen, und ich bin auch in einige investiert, allerdings die Crash Gefahr ist hier inzwischen sehr hoch. Was dann noch dazukommt ist die Tatsache, dass teilweise planlos in Unternehmen investiert wird deren Geschäftsmodell nicht verstanden wird bzw. man blind einem Hype nachgeht und dann eine Bruchlandung erlebt.

Bestes Beispiel Wirecard und leider folgender Artikel der in der Zeit erschienen ist:

Wirecard-Aktien: Die Gier ließ mich alles glauben


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An der Börse kann man einfach nicht schnell reich werden, höchstens schnell arm. Der Autor hat auch nicht verstanden, dass eigene Recherche bei Einzelaktien immer noch das wichtigste ist. Wenn man darauf keine Lust, den MSCI World gibt es nicht umsonst.

Also das steigende Interesse am Investieren bedeutet leider nicht, dass die die Finanzbildung speziell zum Thema Aktien besser geworden ist.

Nun aber nochmals zur Studie, auch die Tatsache, dass das Interesse an einer Gründung eines Unternehmens starkt zurücknimmt ist auch sehr bedauerlich und nicht sehr förderlich für den Wirtschaftsstandort Deutschlands, das gleiche gilt für den Bereich „hochqualifizierte Berufe“.

Meiner Meinung nach ist immer noch das investieren in die eigene Ausbildung, das am besten angelegte Kapital, noch weit vor Aktien. Auch sollte man viele ermutigen wieder mehr Risiko einzugehen und Unternehmen zu gründen, durch nur passives Investieren wird man auch nicht Reich.

Fazit

Nun ja das Interesse an Aktien ist einerseits positiv zu bewerten. Allerdings muss man auch davon ausgehen, das viele blind einem Trend folgen und später eine Bruchlandung erleben werden. Ich bin gespannt wie hoch das Interesse ist, sobald der Tech Boom wieder etwas abflacht, und viele mit Verlusten verkaufen müssen. Es wäre hier durchaus auch interessant zu erfahren was für einen Anlagehorizont viele Anleger wählen.

Eigentlich wollte ich das Thema Wirecard nicht mehr weiter erwähnen, allerdings passt der erschienene Artikel zum dem was man in vielen Foren beobachtet und in gewissermaßen auch zu der aktuelle Studie. Das Interesse an Aktien nimmt etwas zu, allerdings das Interesse Unternehmensgründung und an hochqualifizierten Berufen nimmt weiter ab. Weiterhin ansteigend ist der Anteil derjenigen die keine Ahnung haben…

Was denkt ihr darüber?

8 Gedanken zu “Finanzunbildung in Deutschland

    1. Hi Raphael,
      Danke für dein Kommentar. Ja die Studie ist recht interessant und die Ergebnisse leider ein bisschen erschreckend. Ich glaube das Thema Bildung wird in jeglicher Hinsicht momentan sehr vernachlässigt. Man sieht das u.a. auch an dem herrschenden Fachkräftemangel in D, AT usw.. Aber es ist ein schwieriges Thema und es scheint als ob niemand so recht eine Lösung parat hat.

  1. Hi Andreas,

    ja, ich bin ganz deiner Meinung. Das Problem liegt in der Schule und an der Uni. Dort wird Finanzbildung nicht vermittelt. Des Weiteren posten täglich auf Instagram Personen oder selbsternannte Gurus, welche Aktie die kommende Ralley macht.

    Man sollte sich schon mit den Businessmodel auskennen , bevor man investiert.

    Ich freue mich auf einen weiteren Austausch.

    Schöne Grüße
    Alexander

    1. Hallo Alexander,
      Ich bin ganz deiner Meinung, was momentan vor allem bei Instagram abgeht ist echt witzig und das kann nicht gut enden. Zugegebenermaßen Qualys und Cellink habe ich auch dort gefunden aber diese Unternehmen haben mich auch selbst überzeugt.
      Das Problem ist einfach es wird viel zu wenig in die Tiefe gegangen, keine Bilanz angeschaut usw..
      Aber vielleicht könnten wir uns mal austauschen und was zusammen starten?

      Lg
      Andreas

  2. Passend zum Thema ein weiterführender Hinweis, der vielleicht interessant für dich ist. Habe vor kurzem einen Gastartikel auf Basis vieler Studien darüber geschrieben, warum so wenige Menschen am Aktienmarkt investieren. Fazit: Die niedrige Partizipation lässt sich durch mangelnde Bildung (insbesondere bei Finanzthemen), fehlendes Vertrauen in die Märkte und Institutionen sowie eine politisch eher linke Einstellung erklären. Dies verstärkt langfristig die ohnehin gegebene Ungleichverteilung des Vermögens in der Gesellschaft. Hier der Link: https://geldhelden.org/warum-investieren-so-wenige-menschen-am-aktienmarkt/

    1. Hallo Marko,
      interessanter Artikel, und bestätigt leider was ich vermutet habe. Am meisten jedoch überrascht Australien die mit Abstand höchste Aktienquote hat.
      Hätte hier eigentlich die USA erwartet.
      lg

      1. Die entsprechende Studie ist allerdings aus dem Jahr 2008. Inklusive des Robinhood-Booms sieht es in den USA relativ zu damals eventuell schon wieder anders aus 😉

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